Westküstenblues

Bei Jürgen las ich: "Großartig. Schnell, virbierend, zynisch, moralfrei. So muss ein Thriller sein. Kein psychologischer Schnickschnack, Gesellschaftskritik ohne Wehleidigkeit, jede Menge Sex und Leichen, und weit und breit kein guter Held in Sicht, sondern nur pure Niedertracht."

Kaufte Westküstenblues von Jean-Patrick Manchette.

Las.

Und schreibe: Als Zeitzeugnis der Siebziger sehr empfehlenswert, als Thriller minder spannend. Insgesamt dennoch lesenswert.

Detaillierter: Zwei Unbekannte versuchen Georges Gerfault beim Baden umzubringen. Für ihn erfolgt dieser Angriff ohne Vorwarnung und ohne Ankündigung. Er entkommt dieser Situation. Aber nicht den beiden, die auf ihn angesetzt sind. Es kommt zu einer Wiederholung des Angriffs. Es gibt Tote. Und einen Mann, der untertaucht. Der gefunden wird. - Der schließlich versteht, zur Selbstjustiz greift und Rache nimmt - tötet-, um sich Ruhe zu verschaffen.

Der Weg eines Unbescholtenen zu einem Mörder. Und sein Weg zurück in seine Gesellschaftsrolle als leitender Angestellter.

Dramatisch, trotzdem lakonisch. Für die Geschichte unnötig, aber Zeichen der Zeit, also passend zu den Siebzigern, aus dem das Buch stammt: viel Whisky und viel Sex ohne Beziehung. Und sehr leise auch Kritik an einer Gesellschaft, in der der Weg George Gerfaults möglich ist.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.