Future Wheel: Strategisches Vorausdenken in Mindmaps
- Judith Andresen

- 21. Juli
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 24. Juli

Wenn strategische Arbeit keinen festen Platz im Kalender oder als Methode hat, wird das operative Tagesgeschäft gewinnen: „Das mit der KI sollten wir mal in Ruhe durchdenken." Aber weder das „mal" noch das „in Ruhe" werden passieren.
Das Future Wheel ist eine einfache, leicht anzuwendende Methode, die aus „man müsste mal" strategische Arbeit wachsen lässt.
Vom Zentrum in die Tiefe denken

Das Future Wheel ist eine Mindmap, die das Ausgangsthema in der Mitte mit den direkten Folgen in der ersten Runde, mit deren Konsequenzen in der zweiten Runde + mit den weiteren Auswirkungen in der dritten Runde visuell verbindet. So zeigt das Future Wheel positive wie negative Ursache-Wirkungs-Ketten.
Das Ziel ist nicht die exakte Vorhersage einer Zukunft, sondern das Aufdecken verborgener Risiken, Chancen + Nebenwirkungen.
Eine KI-Annahme in einer Agentur durchspielen

Die Frage, ob eine Agentur mit 40 Mitarbeiter*innen das Geschäftsmodell radikal neu denken sollte, ist im drängenden Tagesgeschäft nicht einfach zu beantworten. Mit der These „KI übernimmt in den nächsten 18 Monaten einen signifikanten Teil unserer Routinearbeit." + dem Future Wheel werden sich pragmatische Schritte ergeben.
Vielleicht finden sich in der ersten Runde Themen + Thesen wie „Stundensätze geraten unter Druck", „Junior-Profile verlieren ihren klassischen Lernpfad" + „neue Service-Lines werden technisch möglich".
In der zweiten Runde geht es um die direkten Auswirkungen daraus: „das Pricing-Modell muss vom Stundensatz auf Wertversprechen umgebaut werden", „die Ausbildungspfade müssen neu konzipiert werden, sonst fehlt in zwei Jahren der Nachwuchs" + „die neuen Service-Lines brauchen Skills, die heute nicht im Haus sind".
Mit der dritten Runde zeigen sich womöglich noch nicht gedachte oder bisher nicht denkbare Konsequenzen wie „Akquise-Argumente verschieben sich, Kund*innen kaufen Ergebnisse statt Stunden", „HR wird zur strategischen Funktion" + „ein heute peripheres Angebot wird zum Kerngeschäft".
Vielleicht braucht es noch eine vierte Runde. Mit jeder Runde wird der strategische Druck + damit der Handlungsrahmen sichtbar. Die Beteiligten haben etwas Großes, nicht Handhabbares in konkrete Themen heruntergebrochen.
In Konsequenzen denken, nicht in Lösungen

In jeder Future-Wheel-Runde gibt es den Sog: „Da müssten wir doch sofort..."-Lösungen sind angenehmer als offene Folgen. Manchmal lasst Ihr den Sog zu + verfolgt einen Lösungsfaden bis zu seinem Ende. Danach kehrt Ihr zur Annahme zurück + sammelt die nächste Konsequenz.
Die Methode dient dem Denkmodus, nicht umgekehrt.
Mit einfachen Regeln exzellente Ergebnisse erhalten
Ihr arbeitet mit einer Grundthese, einer Annahme beziehungsweise einer Aussage pro Future Wheel. Sie steht im Zentrum des Rads. Mehrere Aussagen erzeugen Brei. Mit mehreren Future Wheels nehmt Ihr die Komplexität aus Euren Themenstellungen, indem Ihr diese separiert.
Die Annahme in der Mitte darf falsch sein. Der Wert der Runde liegt nicht darin, die Zukunft zu treffen, sondern mögliche Entwicklungen vorzustrukturieren.
In der Runde wird nicht priorisiert. Was am Ende auf dem Flipchart steht, ist Material. Welche der Folgen Ihr aufgreift, welche Ihr beobachtet + welche Ihr ignoriert, ist eine separate Entscheidung nach der Runde.
Nicht jede Session führt zu konkreten Maßnahmen. Manchmal entsteht ein besseres Verständnis für eine mögliche Entwicklung. Manchmal kippt eine Annahme in eine neue + die nächste Runde startet. Manchmal wird aus der Future-Wheel-Runde eine Aufnahme des Ists: Was die Beteiligten in den Folgen sehen, sagt etwas darüber aus, was sie heute wahrnehmen + erwarten. Auch das ist ein gutes Ergebnis.
Strategiearbeit einen festen Platz geben
Strategiearbeit braucht beides: einen festen Platz im Kalender + eine Methode für die Zeit, die der Termin schützt. Das Future Wheel ist eine solche Methode.
Was Ihr heute strukturiert durchdenkt, müsst Ihr morgen nicht überrascht entscheiden.



