Whiskey für Anfänger

Schmeckst Du den Torf, riechst Du die Birne ... nein, jetzt hast Du zu viel Wasser dazu getropft. Fassungslos starre ich auf das Geschehen um mich. Diese Frucht und diverse andere Obstsorten müssen aus dem Whiskey "rausgerochen" bzw. abgelehnt werden. - Ich wollte doch nur einen Whiskey probieren. Aber nun werden die Gerüche von Obstsorten abgearbeitet, und allen scheint die Reihenfolge nicht nur klar und geläufig, sondern auch sinnreich und notwendig zu sein. Ich verzweifle hinterher und zweifle an meinem Geruchssinn. Doch die Birne? Ja, vielleicht... das riecht man doch!

Jedes Getränk scheint seine Rituale zu haben. Whiskey ist da im Prinzip nicht anders als andere Getränke.
Der Whiskey wird von einigen in Handflächen verrieben und gerochen. Skurriles Szenario. Offensichtlich gehört dieses Verhalten aber dazu. Ich frage mich leise, ob man sich die Hände vorher nur mit Quellwasser gewaschen haben darf? Das durch das Reiben in den Handflächen (Wärme!) Duftstoffe freigesetzt werden, die sonst nur auf der Zunge bzw. im Rachenraum geschmeckt werden können, mag ja angehen, aber i.a. schüttet man nicht Getränke in die Hände, um sie zu riechen. Das Verhalten von Wein-Trinkern, die stundenlang ihr Glas schwenken, ist mir jedenfalls sympathischer.

Meine Begeisterung ist nur bedingt groß. Aber wahrscheinlich mache ich auf Nicht-Tee-Trinker den gleichen Eindruck, wenn ich mit Verve den Unterschied zwischen einem Oolong und einem grünen Tee erläutere.

So lerne ich also etwas über einen Torfigkeits-Index; ach, und nach den Fruchtsorten kommt das Umland: im Whiskey scheint auch Seetang und -luft, der Geruch nach Seegras enthalten zu sein. Ich halte weiter meine Nase über das Glas und versuche, die angesagten Gerüche wahrzunehmen.

Es ist ja bekannt, dass bei Rauchern der Geruchssinn abnimmt (was ich nicht bin), und vor kurzem las ich aber auch, dass wir Menschem immer schlechter riechen können. Vielleicht sind ja bei mir schon besonders viele Riech-Gene ausgeschaltet?

Nach einer gewissen Zeit geht mir das Aufnahmevermögen aus. Die Diskussion und Erkenntnisse über nicht und eingefärbte Whiskeys ist total an mir vorbeigegangen.

Währenddessen komme ich zu dem Schluss: Der Glenfarclas 105 Cask Strength (mit unprofessionell viel Wasser) hat mir gut geschmeckt. Und ich habe keine Ahnung, welche Gerüche ich da hätte rausriechen sollen. Dieser Whiskey war einfach sehr, sehr lecker.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.