Na, dann lernt mal schön in Gruppen.

"Für diese Stundenaufgabe findet Euch bitte in Gruppen zu drei Personen! Signalisiert mir, wenn Ihr mit Euer Gruppeneinteilung fertig seid."

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Während die Gruppen sich bilden, sich übliche Allianzen zusammenfinden und der Klassenkaspar und die stille Maus übrig bleiben, fragt die Lehrerin sich zum wiederholten Male, ob sie beim nächsten Mal nicht doch die Gruppeneinteilung vornehmen sollte, um nicht derartige "Spitzen" in der Gruppeneinteilung zu verhindern. Und eine weitere Frage folgt auf dem Fuße: "Das Wissen, das ich über die Gruppenarbeitsfähigkeit meiner Schüler zu haben glaube, besitzen meine Schüler das eigentlich auch? Wissen Schüler, welche Funktion sie in einer Gruppe - in einem Team - gut ausfüllen können?" In Firmen ist heutzutage üblich, die Bildung von Abteilungen und Teams zu moderieren; es werden gemeinsam Stärken und Schwächen von Gruppenmitgliedern analysisiert und eine entsprechende Rolle im Team wird gefunden. In der Schule hingegen arbeiten die Schüler täglich in anderen Zusammensetzungen. In den seltensten Fällen findet eine Meta-Analyse statt, warum ein Arbeitsergebnis bzw. die Zusammenarbeit in der Gruppe besonders gut bzw. schlecht war. Warum geschieht dies nicht in der Schule?

Von der Idee ausgehend, dass man einer Gruppe schwierigere Aufgaben zumuten kann als Einzelnen, beschreiben Norm & Kathy Green in dem Trainingsbuch "Kooperatives Lernen im Klassenraum und im Kollegium", wie diese Lernform im Unterricht einer Klasse implementiert werden kann.

Zunächst werden in dem Buch Kooperatives Lernen die Grundlagen des kooperativen Lernens erläutert. Die Autoren fordern einen offenen Umgang mit Lernmaterie und die offene Reflexion von Lernvorgängen.

Ein nachfolgender Vergleich mit der üblichen Gruppenarbeit zeigt die Vorteile des kooperativen Lernens auf: während in der Gruppenarbeit schlußendlich oftmals das Einzelergebnis und -benotung eines Schülers steht, werden beim kooperativen Lernen alle Schüler Gruppe bewertet und benotet. Die soziale Kompetenz von Schülern wird gefördert und gestärkt: sie lernen, dass Aufgaben, die sie alleine nicht bewältigen könnten, im Team "schaff- und machbar" sind.

Schließlich führt das Trainingsbuch mögliche Methoden ein, um die Teambildung von für eine bestimmte Zeit immer zusammen agierende Schülergruppe zu initiieren und zu begleiten. Über das zu erabeitende Fachwissen hinaus lernen Schüler also durch kooperatives Lernen mehr: eine sinnvolle Metaanalyse des Arbeitsergebnisses und -prozesses führt dazu, eigene Stärken und Schwächen in der Gruppenarbeit benennen zu können.

So weiß der Schüler bei der nächsten Gruppenarbeit eher, wer als Partner für ihn wichtig wäre bzw. wen er besonders in der kommenden Arbeit unterstützen kann.

Aufgaben für kooperatives Lernen werden möglichst so formuliert, dass

  • die Arbeit nur durch die Gruppe, nicht durch eine Ansammlung von Einzelkämpfern" erfüllt werden kann
  • Belohnungen nur für die gesamte Gruppe angekündigt werden
  • jede Rolle im Team zur Lösung des gestellten Aufgabe notwendig ist

Kooperatives Lernen ist keine vollständig neue Idee. Sie greift auf die übliche Gruppenarbeit in der Schule zurück. Diese Methode wird verfeinert und über einen Meta-Prozess analysiert, so dass neben dem eigentlichen Fachwissen auch Wissen bei den Schülern über ihre eigene Methoden- und Sozialkompetenz wachsen kann.

Alle beschriebenen Einheiten sind mit Arbeitsblättern und Vorschlägen zur Reflexion versehen, die als Grundlage eigener Arbeitsblätter dienen können. Das Trainingsbuch Kooperatives Lernen von Norm und Kathy Green ist in der Kallmeyerschen Verlagsbuchhandlung GmbH, Seelze Veeber, erschienen und kostet € 14,90.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.