Schweden - China - Afrika - Großbritannien...

... sind die Stationen des Kriminalromans Der Chinese von Henning Mankel. Im Klappentext sind die Worte des Autoren zu finden, es sei ein wichtiges Werk für ihn gewesen. Ich habe mich gerne ins Leseabenteuer gestürzt. Ich mag Mankells Schreibe. Ich mag die Idee, politische Ansichten durch Kriminal-Romane zu illustrieren.

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Aber in diesem Falle wären die Worte "zu wichtig" wohl ehrlicher gewesen. Aus lauter Brennpunkten der (aktuellen und vergangenen) Weltgeschichte entsteht eine konstruiert wirkende und überladene Geschichte.


Die Einwohner eines kleinen, von nur sehr wenigen Bewohnern bewohnten, Dorf werden eines Nachts ermordet. Eine Richterin interessiert sich dafür, weil unter den Ermordeten die Pflegeeltern ihrer Mutter sind. Sie findet Tagebücher eines Mannes, der vor über 100 Jahren chinesische Sklaven als Arbeiter beim Trassenbau US-amerikanischer Zuglinien gequält hat. Sie stellt fest, dass ein ähnlicher Mord in Amerika begangen worden ist. Sie findet einen Hinweis auf eine Verwicklung eines chinesischen Unbekannten, den die Polizei nicht annimmt. Sie trifft nach langer Zeit eine Freundin wieder, welche sie spontan (!) auf eine Studienreise nach China annimmt. Sie kann mitkommen, weil sie wegen Überarbeitung gerade krankgeschrieben ist. Sie zeigt einem weiteren Unbekannten in Peking ein Photo einer Überwachungskamera, dass "ihren" Tatverdächtigten zeigt. Sie wird überfallen. In der polizeilichen Nachuntersuchung lernt sie eine Frau kennen, der sie alles erzählt. Im Laufe der Geschichte wird auch diese Frau ermordet. In Afrika. Wo chinesische Politiker und Wirtschaftsleute die Kolonialisierung der Flächen planen. Der Bruder dieser Frau ist der eigentliche Täter. Ihm liegen Tagebücher eines seiner Vorfahren vor, welcher in Amerika von eben jenem Schweden gequält worden sind.

Jede dieser Geschichte ist erzählenswert. Hätte Mankel eine Geschichte

  • über die Ausbeutung chinesischer Arbeiter während der Streckenlegung US-amerikanischer Zugtrassen
  • über eine mögliche Kolonisierung Afrikas durch chinesische Bauern
  • über die Identitätssuche einer Frau in Schweden
  • über die offensichtliche Überarbeitung schwedischer Richter

erzählt, wäre ich jeder dieser Geschichten wohl mit Interesse gefolgt.

So war das ein bißchen zu viel des Guten, des Wichtigen. So ist es konstruiert und mühsam.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.