Nachklatsch: Beedle, der Barde

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"Und was dieses Buch angeht", sagte Hermine. "Die Märchen von Beedle dem Barden, von denen habe ich noch nie etwas gehört!"


"Du hast noch nie was vom dem Märchen Beedle dem Barden gehört?" sagte Ron ungläubig. "Das meinst du doch nicht im Ernst, oder?"

 

Diese Unterhaltung stammt aus Joanne K. Rowlings "Harry Potter und die Heiligtümmer des Todes". Hermine geht es wohl wie allen Muggel-Kindern; Menschen-Kinder kennen viele Märchen der Grimmschen Brüder wie "Schneewittchen" oder "Aschenputtel", aber sie kennen "Den Zauberer und den hüpfenden Topf" oder "Des Hexers haariges Herz" nicht. Um es kurz zu machen: sie haben nichts verpasst.

Im Nachgang zur Harry-Potter-Serie veröffentlichte Joanne K. Rowling im Dezember 2008 "Die Märchen von Beedle dem Barden". Auf knapp über hundert Seiten finden sich fünf Märchen aus der Zauberer-Welt. Jedem Märchen fügt sich eine Erläuterung von Albus Dumbledore, dem Lehrmeister Harry Potters, an. Die offensichtliche Kürze der Texte (selbst für Märchen sind sie sehr kurz geraten) begegnete der Verlag durch einen extravagant großen Zeilendurchschuss und der Einarbeitung vieler Illustrationen, die die Autorin selbst erstellt hat.

Märchen weisen in Sitten und Gebräuche an, predigen, lehren, zeigen Analogien und erklären Verhalten. Sie sind ein seit Jahrhunderten gebräuchliches Mitteln, um Kindern den Weg in die Erwachsenenwelt zu weisen. Jede Kultur hat ihre Märchen, und so wollte es die Autorin Rowling, von dieser Regel bilden Zauberer keine Ausnahme.

Das Grundthema der Märchen ist dann auch in der Zauberei begründete: es bringt nicht nur Vorteile, zaubern zu können - und jede Aktion führt mit dem Vor- auch einen Nachteil mit sich. Menschenkinder wissen dies bereits, weil sich z.B. die Grimmschen Märchen gelesen haben, und so führt die Beedle dem Barden zu keiner wesentlichen Erleuchtung bei.

Da Harry Potter nach sieben Bänden fertig erzählt ist, stellte "Beedle der Barde" auch keine sinnvolle bzw. notwendige Ergänzung des Werkes dar, es schließt nicht an Harry Potter an, und führt in eine eigenständige Märchenwelt ein, die von Albus Dumbledore erläutert wird. Für eingefleischte Harry Potter-Fans mag das Buch ein "Muss" sein, für alle anderen ist es schlicht überflüssig.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.