PHP Unconference Europe | Von freiwilliger Arbeit.

"Warum machst Du das eigentlich?" Warum die Organisation einer immer größer werdenden Veranstaltung übernehmen? Warum Ausschreibung, Website, Haftpflicht, Poster, Catering, Gesundheitszeugnisse, Beamer- und WLAN-Versorgung (um nur einiges zu nennen) organisieren, wenn man zu Hause sein könnte und den Garten genießen könnte? Gute Frage.

Wenn jemand stark mit PHP beschäftigt ist, vom Programmieren, Testen oder dem Gestalten von Software-Architektur lebt, ist vielleicht nachvollziehbar, warum man sich die Organisation einer PHP Unconference - erst national, dann europäisch - ans Bein bindet. Dann schafft man sich sein eigenes Forum, um die Sprache zu verbessern und sich selbst weiter zu entwickeln. Dann ist die Organisation einer solchen Veranstaltung eine Art von Fortbildung.

 

Ich arbeite bei der Digitalagentur SinnerSchrader - wir arbeiten auch mit PHP, aber vorwiegend in anderen Sprachen. In meinem Team wird aktuell kein PHP genutzt. Meine Programmierambitionen habe ich vor etlichen Jahren begraben. Um es vorweg zu nehmen: die rein inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Programmieren und der Programmiersprache PHP ist es nicht, die mich dazu treibt, mich um PHP Unconferences zu kümmern.

Für die Weiterentwicklung eines Open Source Projektes ist es immanent wichtig, dass die sich um den Kern kümmern, die die großen Hüpfer machen, die entscheidende Entwicklungen vorantreiben, sich kennen, sich sprechen, ein Gefühl füreinander bekommen. Viele Postings sind besser zu verstehen, wenn man denjenigen, den man liest, auch schon mal gehört hat. Daher ist die persönliche Begegnung sehr wichtig.

Wichtig ist aber auch, dass diejenigen, die eine Sprache voranbringen wollen, auf diejenigen stoßen, die eine Sprache nutzen möchten. Wenn ich voranbringen möchte, muss ich das Ziel abstrahieren können, eine Richtung erkennen können. Deswegen ist Rede so wichtig. Die Beteiligten müssen aus dem Wust der Weiterentwicklung eine mögliche Stoßrichtung, Wünsche für Erweiterungen und Notwendigkeiten ableiten können.

Auf Unconferences sind diese Treffen möglich. Da das Publikum sich seine Sessions selbst auswählt, finden auch genau die Sessions statt, die für das anwesende Publikum richtig sind. Oft sind die wesentlichen Diskussionen in den Talks versteckt, die beim Wählen des Themas noch keinen Moderator kennen.

Bei Unconferences steht das Thema im Vordergrund. "Über was möchtest Du reden?" Diese Frage wird zwei Mal gestellt. Einmal am Sonnabend, und vor dem Hintergrund des am Vortag Besprochenen am Sonntag nochmal. Themen werden vertieft, neue gefunden und erfunden; am Samstag zur Seite gelegtes wird wieder reaktiviert. Sonnabend neigt dazu, Talks mit gleich mit angebotenen Moderatoren zu haben. Sonntags geht es offener zu.

Meine Motivation liegt in begeisterten Teilnehmern, die mir von A-ha-Erlebnissen erzählen, die mir völlig begeistert Leute vorstellen, die sie gerade weitergebracht haben und in der Freude und dem Austausch, der in der Luft liegt.

Warum es PHP ist? Eine Laune der Geschichte. Eine Geschichte mit viel "und dann", Konjunktiv II und Zufälligkeiten. Warum PHP richtig ist? Weil das Publikum der PHP Unconferences handfest arbeitet, nach Möglichkeiten und Erweiterungen im praktischen Arbeiten sucht und nicht die Abgehobenheit mancher Web2.0-Veranstaltung zeigt.

Vor zehn Jahren noch hätte ich diese Art von Arbeit Ehrenamt genannt. Da dieser Begriff aber für mich mit Vokabeln wie Verein, Satzung, Wahlen und dann Ämtern verbunden ist, spreche ich heute lieber von bürgerschaftlichen Engagement. Meine Leidenschaft liegt im Zusammenbringen von Leuten, im Organisieren eines Events. Für zehn Minuten bei der Eröffnung im Mittelpunkt stehen. Um dann im Allerlei der Kleinigkeiten wieder zu verschwinden. Und wissen, dass man seinen Anteil daran hat, dass dieser nutzbringende Austausch gerade stattfindet.

Und das bringt mehr Freude als ein stiller Garten.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.