Abschied

Die Verkäuferin hat nach vier Jahren verstanden, dass ich Körnerbrötchen und Croissants, aber keine hellen, weichen Brötchen mag. Nützt ihr nichts mehr, in drei Wochen sind wir weg.

Im Garten stehen Terracotta-Töpfe. Welcher wird auf die Terrasse als Kräutertopf, welcher auf den Boden ziehen - dort auf den nächsten Garten wartend?

In der Wohnung hängen Bilderrahmen. Noch farbig. Sollen - zwecks einfacher Kompatibilitätsüberlegungen - alle weiß werden. Austauschen oder anmalen?

Was mache ich eigentlich mit den Regalen, die jetzt im Gartenschuppen verbaut sind? Wieder ausbauen? Drinnen lassen?

Was braucht's eigentlich an Grundausstattung in der neuen Wohnung, bevor die Möbelpacker kommen?

Die goldene Regel steht: Bücher werden nur behalten, wenn ich sie nochmals lesen möchte. Gilt das immer noch für alle Bücher, die im Schrank stehen? Gibt es Bücher, die auswandern möchten oder sollten?

Vor lauter Fragen geht unter, dass das hier ein Abschied ist. Von der Idee des Scheibchenhäuschens im Grünen. Von der handtuchgroßen Gartenidylle. Von einem sozialen Experiment. Von dem Stadtteil Neuenfelde, in dem man plattdeutsch spricht, auf dem Dorf lebt und Hamburg als Stadt weitestgehend ignoriert.

In Hamburg sagt man Tschüß. Tschüß, Neuenfelde! War fein hier.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.