Qualität im Mathematikunterricht

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Timo Leuders veröffentlichte im Jahr 2001 - also nach dem Erscheinen der TIMS-Studie - das Buch Qualität im Mathematikunterricht - der Sekundarstufe I und II.

Die Frage, ob es um die Qualität des deutschen Mathematikunterrichts schlecht steht, bejaht Timo Leuders - mit den Ergebnissen der TIMS-Studie im Rücken. Er begründet dies mit in dieser Studie nachgewiesenen Hang deutscher Lehrer, im Unterricht kurzschrittig, fragend-entwickelnd an geschlossenen Aufgaben zu arbeiten. Im ersten Teil seines "Praxishandbuches" gibt Timo Leuders eine Übersicht über Qualitätsdebatte im Unterricht, insbesondere zeichnet er dabei ein Bild von deutschem Mathematikunterricht.

Im zweiten Teil des Buches stellt er zentral als Instrument zur Qualitätssicherung im Mathematikunterricht das Stellen der richtigen Aufgaben in den Mittelpunkt. Wie später auch in dem Buch Mathematikaufgaben selbst entwickeln fordert Leuders den

  • authentischen
  • bedeutsamen
  • relevanten
  • offenen

Einsatz von interessanten Aufgaben, deren Formulierung Schüler zum Nachdenken und Lösen animieren. Viele Beispiele veranschaulichen diese Forderungen. Auch in diesem Werk gibt Leuders den Rat, Aufgaben durch "Rückwarts stellen" zu öffnen.

Nach einer Kritik am fragend-entwickelnden Unterricht und einer lerntheoretischen Begründung (Konstruktivismus) plädoyiert Timo Leuders für die Methodenvielfalt im Mathematikunterricht. Er stellt dabei konkret die folgenden Methoden mit Anwendungsbeispielen vor:

  • Streitgespräch
  • Lehrervortrag (Vortrag als Input statt Frage-Antwort-Spiel)
  • Schülervortrag (z.B. als ritualisierter Einstieg in Form eines Stundenprotokolls anhand einer Overhead-Folie
  • Spielen im Mathematik-Unterricht
  • Brainstorming, Mind mapping, etc.
  • Gruppenpuzzle
  • Lernen an Stationen
  • Projektunterricht

. Alle vorgestellten Beispiele beziehen sich konkret auf Einsatzbereiche der Sekundarstufe I/II. Sie sind für unterschiedliche Unterrichtsphasen ausdifferenziert.

Um Unterricht nicht nur durch einzelne Lehrer in ihren Klassen zu entwickeln, empfiehlt Leuders schließlich im letzten Kapitel die gemeinsame Curriculumsarbeit einer Fachschaft und zur Qualitätssicherung im Unterricht kollegiale Unterrichtsbeobachtung.

Das Werk Qualität im Mathematikunterricht liest sich kurzweilig und interessant. Viele Anwendungsbeispiele zeigen durch zum Teil nur kleine Formulierungsunterschiede zur typischen Schulbuchaufgabe eine Öffnung. Der Text animiert zum Nachdenken und anschließendem Umgestalten eigener Unterrichtsabläufe, insbesondere liefert Timo Leuders etliche Kriterien zum Überprüfen eigener Aufgabenstellung auf Qualität.
Der Autor zollte wohl dem "deutschen Hang" zum Frontalunterricht Tribut; daher ist die lerntheoretische Begründung für eine möglichst große Methodenvielfalt sehr langatmig ausgefallen. Bei den vorgestellten Kreativitätstechniken werden keine Begriffsnetze vorgestellt, stattdessen werden die Mindmaps auch in vernetzter Form erklärt. Hier hätte ich mir eine bessere Schärfung der Begriffe und Methoden gewünscht. Insbesondere fehlte mir die klare Empfehlung von Begriffsnetzen im Mathematikunterricht.

Insgesamt besitzt dieses Buch ein "pragmatisches Orientierungspotenzial" - die vorgestellten Aufgaben und Methoden sind größten Teils lehrreiche Beispiele für einen aufgeschlossenen Unterricht. Insofern lohnt sich das Lesen!

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.