Mehr Skills für IT-Führungskräfte

Das Autoren-Trio Uwe Virgenschow, Björn Schneider & Ines Meyrose geben mit "Soft Skills für IT-Führungskräfte und Projektleiter" ihren Überblick, welche "Soft Skills" Führungskräfte im IT-Feld neben dem technischen Wissen haben sollten.

 

Nach Lektüre dieses Buch wird der Leser schlauer, gleichzeitig verwirrter und vielleicht sensibilisierter in seiner eigenen Rolle als Führungskraft sein. Es bedarf danach weiterer Lektüre & Übung ;-)

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Das Buch unterteilt sich in fünf große Abschnitte:

  1. Grundlagen: Soft Skills, Kommunikation und Selbstorgansation
    Der erste Abschnitt führt in die Sprachwelt der Autoren ein und versucht grundlegende Erkenntnisse zur Kommunikation und zu komplexen Systemen zu vermitteln. Gleichzeitig führen die Autoren die Methapher des "Troja-Prinzips" ein.
  2. Organisatorische Grundlagen
    Der zweite Abschnitt behandelt Zielsetzungen, Prioritäten, erfolgreiche Besprechungen und Zeitmanagement.
  3. Entwickler führen
    Es werden Fragen zur Führung, Selbstorganisation, Entscheidungsfindung sowie Motivations in Teams / einzelner Mitarbeiter geklärt.
  4. Mitarbeiter weiterentwickeln
    Die Unterschiede von Coaching und Mentoring werden erörtert. Darüber hinaus gibt das Buch eine Einführung in den GROW-Coaching-Prozess und ordnet das Verfahren in das von den Autoren entwickelte Troja-Prinzip ein.
  5. Hochleistungsteams aufbauen
     Der letzte Abschnitt versucht zu klären, welche Voraussetzungen für ein "Hochleistungsteam" geschaffen werden müssen, wie der Aufbau von statten geht und mit welchen Dynamiken zu rechnen ist.

 

Die drei Autoren versuchen in allen Bereichen, die grundlegende Thematik zu definieren und einzugrenzen. Das ist ein heeres Unterfangen, bei der Anzahl der Bereiche, die sie als wichtig für IT-Führungskräfte beleuchten. Die Darstellung der einzelnen Themen ist sehr unterschiedlich. In manchem Kapitel gelingt es ihnen anschaulich, Ideen für einen möglichen Umgang im Arbeitsalltag zu liefern. In anderen Kapiteln sind die Herleitungen erstaunlich tief (landen bei tiefenpsychologischen Grundlagen) und bleiben damit im Ungefähren, weil für den Leser der Sprung zum Arbeitsalltag zu groß wird. Da für alle Themen aber - wissenschaftlich präzise - Quellen angegeben sind, kann der geneigte Leser sein Studium in anderen Büchern fortsetzen ;-)

 

In jeweils leicht farblich abgesetzten Kapitel erläutern die Autoren jeweils in einer Einwandsvorwegnahme die behandelten Themen und erläutern mögliche Umsetzungen im Arbeitsalltag. Die fachliche Qualität dieser Kapitel (d.h. Anwendbarkeit) ist sehr unterschiedlich. In einigen Fällen sind gerade diese Kapitel sehr schöne Zusammenfassungen der vorher Vermittelten und liefern einen guten Transfer in den Arbeitsalltag.

 

Die Autoren sind stark von SCRUM als Methodik geprägt. SCRUM liegen eine bestimmte Haltung zu Arbeitsprozessen und Werte der Arbeit (siehe "agiles Manifest") zu Grunde, die von den Autoren weder eingeordnet noch an allen Stellen expliziert werden. Für "frische" oder angehende IT-Führungskräfte ist an allen Stellen, die SCRUM-Vokabeln aufweisen, also die Abstraktionsleistung, wie das Besprochene in den eigenen Arbeitskontext zu übersetzen ist, sehr hoch. Für diesen Bereich wünschte ich mir von den Autoren eine klare Positionierung und eine allgemeinere Einordnung.

 

In allen fünf Bereichen des Buches begegnen dem Leser zwei Themen wieder: das Troja-Prinzip und die Jung'schen Typologien.

  • Das Troja-Prinzip dient den Autoren als Metapher dafür, dass sich an evolutionäre Phasen revolutionäre anschließen können und umgekehrt. Die Autoren machen sehr deutlich, dass je nach Phase die Führungsmethodik und Maßnahmen unterscheiden müssen. Offensichtlich versuchen die Autoren, einen eigenen Begriff zu prägen. Die Sinnhaftigkeit dieses Vorhabens entzieht sich mir.
  • Gleichzeitig kommen die Autoren immer wieder auf die Jung'sche Typologie zurück, nach der alle Menschen grundsätzlich vom Typ einer der Fragestellungen "Wohin noch?", "Warum?", "Wie?" sowie "Was?" besonders nah sind. 

 

Die Autoren outen sich mit ihrem Buch als "Wie?"-Typen. Sie geben Inspiration zur Arbeit als Führungskraft in und mit Teams. Gleichzeitig vernachlässigen sie den Bereich "Warum?" gerade in Bezug auf das Gesamtunternehmen. Gerade als Führungskraft ist der eigene Beitrag zum Unternehmenserfolg an die Frage zu koppeln, warum bestimmte Dinge geschehen und was man als Führungskraft zu einem gesunden Ganzen beitragen kann.

Die Aufgaben einer Führungskraft werden schwerpunktmäßig in die Richtung des Teams bzw. der Unterstellten, aber nicht in Richtung der eigenen Vorgesetzten, beantwortet. Für eine dritte Auflage wünsche ich mir hier mehr Inhalt.

 

Insgesamt ist Soft Skills für IT-Führungskräfte und Projektleiter eine anregende, aber nicht abschließende Lektüre für alle die, die ihre Rolle als IT-Führungskraft bzw. Projektleiter reflektieren und explizieren möchten. 

 

"Soft Skills für IT-Führungskräfte und Projektleiter | Software-Entwickler führen und coachen, Hochleistungsteams aufbauen" ist im dpunkt.verlag (in zweiter Auflage) erschienen und kostet EUR 36,90.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.


 

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