Keine Soft Skills für Software-Entwickler

Zielkonflikte, Motivationslöcher und Fehlkommunikation sind Schwerpunkte des Buches "Soft Skills für Software-Entwickler". Merkwürdigerweise zeigen die drei Autoren Uwe Virgenschow, Björn Schneider & Ines Meyrose mit ihrem Buch "Soft Skills für Software-Entwickler" genau jene Symptome, die sich daraus ergeben.

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Die Autoren gehen von einem bestimmten Umfeld und einer grundsätzlichen These aus, die aber nicht weiter begründet wird:

  1. Die beschriebenen Szenarien finden in einem Unternehmen mit Geschäftsführung, Fachabteilungen und IT-Abteilungen statt.
  2. Die Autoren glauben, dasss Projekte nicht an fehlenden Tools & Methoden scheitern, sondern an fehlgelaufener Kommunikation.

Nur weil ich diesen Gedanken teile, habe ich das Buch zu Ende gelesen.

 

Mit unterschiedlichen Kommunikationsmodellen und Fragetechniken versuchen die Autoren dem Leser Möglichkeiten an die Hand zu geben, Kommunikationshürden zu nehmen. Dabei legen sie viel Wert auf Einordnung in Modelle und weniger in handfeste Empfehlungen für den täglichen Umgang.

 

Die Autoren spüren, dass die Wahrnehmung von IT durch Fachabteilungen und Geschäftsführung oft die von Verhinderern ist. Der Zielkonflikt zwischen Fachabteilungen und IT (kurzfristige Lösungen bzw. Projekte versus lang laufender Systeme) wird nicht direkt beleuchtet. Stattdessen wird dem Software-Entwickler aufgetragen, er möge mehr Marketing für die IT betreiben.

 

Es werden dann die "4 P's des Marketing eingeführt, um dann besonders die Produktpolitik zu beleuchten. So wird die Preispolitik mit den Worten beiseite gelegt, dass diese ja wenig beeinflussbar sei. Die dahinter stehende Haltung, dass die Wahrnehmung der IT und das Vorgehen der IT nicht veänder- und verhandelbar sind, kann ich nicht nachvollziehen. Tatsächlich glaube ich, dass ein Großteil fehllaufender Projekte genau in konkurrierenden & nicht verhandelten Zielen der Fach- und IT-Abteilungen begründet liegt.

 

Aber nicht nur an dieser Stelle wird ein Modell eingeführt, die anschließend auf einen Aspekt eingeschrumpft werden. Hier hätten die Autoren Zeit sparen können, den Aspekt direkt beleuchten sollen und ggf. über eine Fußnote einen Hinweis auf eine größere Einordnung geben können. 

 

Durch das schnelle Springen zwischen sehr unterschiedlichen Bereichen wie z.B. Marketing in einer groben Sicht, NLP, Outsourcing und Offshoring, Verhandeln nach Havard wirkt das Buch hektisch. Es mimt eine Breite, die es nie erreichen kann.

 

In dem Buch werden zwölf IT-Kommunikationstypen identifiziert. Diese sind sehr negativ gezeichnet. Die implizite Annahme, dass Arbeiten im IT-Umfeld nur von negativen Kommunikationstypen beherrscht wird, teile ich nicht. Vielmehr glaube ich, dass die Kreativität und Leidenschaft für das Modellieren einer neuer (IT-)Welt in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend gewertschätzt wird. Das aus mangelnder Wertschätzung schwierige Kommunikationssituationen entstehen, ist offensichtlich.  Darüber hinaus glaube ich, dass der Ansatz, Stärken zu stärken und gleichzeitig Schwächen zu schwächen, für den Arbeitsalltag erfolgsversprechender ist.

 

Gleichzeitig ist in dem gesamten Werk der Adressat nicht wirklich klar. Warum z.B. Mediationsmethoden Soft Skills sind, die sich Software-Entwickler (nicht Projektleiter) aneignen sollten, bleibt dem Leser verborgen. Die Empfehlungen sind für Softwareentwickler - unabhängig davon, ob sie Team-Mitglieder oder -Leiter sind - formuliert. Das verwirrt, da man als Leser jeweils nachträglich zuordnen muss, ob das skizzierte Vorgehen "gangbar" und der eigenen Rollen angemessen ist.

 

Dies ist im Nachfolgewerk deutlich besser gelungen. Der Nachfolger "Soft Skills für IT-Führungskräfte und Projektleiter" ist bedingt zu empfehlen. Der Vorgänger "Soft Skills für Softwareentwickler" hingegen wirkt unorganisiert, unaufgeräumt & unentschlossen. Der geneigte Leser sollte sein Glück auf der Suche nach den richtigen Soft Skills anders suchen.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.


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