Heute mal anders | Methoden für Retrospektiven

Agile Methoden fördern nicht nur den leichten Umgang mit Anforderungsänderungen, sondern auch auch einen respektvollen und effizienten Umgang im Projektteam.

 

Die Autorinnen Esther Derby und Diana Larsen bieten mit Agile Retrospectives eine Begründung für Retrospektiven und eine Methodensammlung für die Durchführung dieser an. Eine Lektüre, die sich lohnt.

Buch bei Amazon
Buch bei Amazon

Das agile Manifest - und vorallem die zwölf Prinzipien des Manifests - fordern eine regelmäßige face-to-face-Kommunikation über das Team und den Umgang miteinander ein:

 

"Build projects around motivated individuals. Give them the environment and support they need, and trust them to get the job done."

 

"The most efficient and effective method of  conveying information to and within a development  team is face-to-face conversation."

 

Das Buch Agile Retrospectives teilt sich in zwei große Abschnitte: Man findet

  1. eine Einführung, welche Rollen Retrospektiven in agiler Entwicklung spielen - inklusive einem Masterplan zur Durchführung eben dieser Meetings sowie
  2. eine Methodensammlung (genannt "Acitivities") für die einzelnen Retrospektiven selbst.

Der Fokus der beiden Autorinnen liegt auf der Zusammenarbeit der Team-Mitglieder und den (ggf. noch nicht benannten, negativen, den Flow hemmenden) Emotionen im Team. Dieses Vorgehen folgt der alten Weisheit, dass einer sachlichen Klärung immer eine emotionale Klärung vorangeht - ohne dass dies näher beleuchtet wird.

 

Dieses Phänomen tritt in dem Werk öfters auf: Methoden und deren Auswirkungen werden detailliert beschrieben, die zu Grunde liegenden psychologischen bzw. soziologischen Ursachen werden implizit über mögliche Auswirkungen erklärt. Insofern ist das Buch sehr hands-on - was auch seine Stärke ausmacht, gleichzeitig aber ene Schwäche für diejenigen ist, die es genauer wissen wollen. Für diese Kandidaten schließt sich an den eigentlichen Inhalt eine lange Liste von Literatur- und Bloghinweisen an.

 

Vorgestellt werden Methoden für alle fünf Phasen von Retrospektiven:

  • Set the Stage
  • Gather Data
  • Generate Insights
  • Decide What to Do 
  • Close the Retrospective

Neben Klassikern wie halbanonymen Einpunktfragen zur Zielerreichung oder dem Stimmungsbarometer haben die Autorinnen auch Methoden aufgeführt, welche unbekannter sind, dabei aber exzellent in Software-Projekte passen.

 

So ist die ESVP-Methode erläutert, die als Warm-Up (d.h. für "Set the Stage") im Meeting genutzt werden kann. Es wird die Frage gestellt, ob man Explorer, Shopper, Vacationer oder Prisoner des Meetings sei. Die Empfehlung der Autorinnen ist, wenn sich zu viele Vacationer (also Leute, die mal Urlaub von der eigentlichen Arbeit nehmen) bzw. Prisoner (also Leute, die freiwillig nicht im Meeting wären) zeigen, die Frage auf das Gesamtprojekt auszuweiten. Denn dann sei ein Problem offenkundig. Und nach Lösungen sollte man dann suchen.

 

Die vorgestellten Methoden zeigen, dass die beiden Autorinnen aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen und viele Retrospektiven geleitet haben. Dabei haben sie ein großes Set an möglichen Fragestellungen entwickelt.

 

Ihnen ist offensichtlich bewusst, welche Fragestellung in welcher Phase der Teamentwicklung bzw. des Software-Entwicklungsprozesses gestellt werden können und sollten, um den jeweiligen Prozess zu optimieren. Dieses Wissen teilen sie nicht explizit mit dem Leser.

 

Sie fordern dazu auf, sich auszuprobieren und mal Gefühle auszuhalten. (Das zu Grunde liegende Bild, dass Software-Entwickler zum Aussprechen von Empfindungen nicht fähig sind, teile ich nicht.) Damit empfehlen sie auch explizit, sich neuen Situationen auszusetzen. "Fail gracefully" gilt in ihrer Welt nicht nur für Software-Projekte, sondern auch für Teamprozesse. 

 

Kern aller vorgestellten Methoden ist, dass es jeweils eine Visualisierung (Punkte, Karten, Gemaltes) gibt, die der jeweiligen Phase der Retrospektive starken Halt gibt. Insofern ist das Buch auch eine große Werbung für gut vorbereitete und geführte Meetings

 

Insgesamt ist "Agile Retrospectives" (mit 152 Seiten Länge) als Methodensammlung und eine erste ausführlichere Begründung, warum Retrospektiven Projekte erfolgreicher machen, zu empfehlen. Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren der neuen Wege!

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.


 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0