PHP Magazin | Erste Ausbildung zum Certified PHP Craftsman startet im Dezember [Interview]

thePHP.cc und die BERATUNG JUDITH ANDRESEN kooperieren als thePHP Curriculum. Im Dezember 2012 startet das erste Ausbildungsmodul zum Certified PHP Craftsman II.

 

Für das PHP Magazin erläuterten Judith Andresen, Sebastian Bergmann, Arne Blankerts und Stefan Priebsch die Motivation für und den Aufbau des thePHP Curriculums. Das Interview führte Tom Wießeckel.

Screenshot der Website thePHPCurriculum.DE
thePHP Curriculum startet im Dezember 2013 mit dem CPC II

PHP Magazin: Seit vielen Jahren betreut Ihr Teams, um sie bei der Verbesserung der Qualität ihrer Projekte zu unterstützen. Wo krankt es in den Teams Eurer Erfahrung nach am meisten?


Sebastian: Die Ansprüche an die Umsetzung von Projekten mit PHP sind heute höher: Die Kunden erwarten nicht nur, dass ihre Software schnell an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst oder um neue Features erweitert werden kann, sondern dass diese Änderungen nachhaltig durchgeführt werden. In den letzten Jahren ist daher aus PHP-Programmierung, gerade in unternehmenskritischen Projekten, Software-Engineering mit PHP geworden. Für diese Art der Softwareentwicklung bedarf es Wissen und Erfahrung, die über das reine Beherrschen der Programmiersprache hinausgehen.

 

Arne: Schaut man sich den Arbeitsmarkt an, so findet man kaum offene Stellen für Entwickler, die erst wenig Erfahrung in der PHP-Programmierung haben. Dem gegenüber steht die große Nachfrage nach PHP-Senioren, die aber nicht durch den Arbeitsmarkt bedient wird.

 

PHP Magazin: Wir reden ja heute miteinander, weil Ihr etwas Neues im Portfolio habt, um diese Erfahrungslücke zu schließen. Was genau habt Ihr vor?

 

Arne: Das PHP Curriculum ermöglicht es Unternehmen, PHP-Entwickler mit wenig Erfahrung in relativ kurzer Zeit dahingehend zu qualifizieren, dass sie Software wirtschaftlich, nachhaltig und wartbar entwickeln können.

 

PHP Magazin: Ihr bietet also eine zertifizierte Ausbildung für PHP-Entwickler an. Welche Skills werden dabei abgedeckt bzw. vermittelt?

 

Stefan: Mit dem PHP Curriculum bieten wir eine einzigartige Kombination aus technischen Fertigkeiten sowie Soft Skills an, die wir im Rahmen einer modularen Ausbildung über den Certified Web Professional zum Certified PHP Craftsman anbieten. Das Ziel ist es, den Teilnehmern die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, damit sie in effizienten Prozessen im Team nachhaltige Software-Lösungen entwickeln können. Für uns liegt übrigens der Fokus auf der Ausbildung, nicht auf der Zertifizierung an sich. Die mit der Zertifizierung verbundene Prüfung sehen wir vor allem als Motivation dafür, sich während der Ausbildung intensiv mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

 

Judith: Viele Teams verlieren sich in einem Kommunikationschaos zwischen wechselnden, unklaren Anforderungen und dem eigenen Willen, Perfektes abzuliefern. Hier braucht es mehr Klarheit: in Zielsetzung, Projektdurchführung und beim Erkennen der eigenen Grenzen.

 

PHP Magazin: Wie auch schon im PHP Summit habt Ihr Euch mit Judith eine starke Trainerin für die Soft Skills an Bord geholt. Welches Wissen wird in diesem Bereich vermittelt werden?


Judith: Wir trainieren Kommunikationskompetenzen auf verschiedenen Ebenen. Das Einzelgespräch, insbesondere das Konfliktgespräch, Austausch in Gruppen sowie Verhandlungssituationen mit Vorgesetzten und Kunden sind Teil der gesamten Ausbildung. Daneben schauen wir uns auch systemische Kommunikation an: Wir beleuchten Projektmethoden und deren Einfluss auf die tägliche Arbeit.

 

PHP Magazin: Es geht um eine Zertifizierung von Entwicklern – warum legt Ihr dennoch so großen Wert darauf, auch die Soft Skills bei den Teilnehmern zu fördern?

 

Stefan: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich Kommunikationsprobleme im Code widerspiegeln können. Gelingt es dem Team beispielsweise nicht, sich auf einen einheitlichen Coding-Standard zu einigen, so ist dies ein Indikator für ein grundlegendes Kommunikationsproblem im Team. Ein Kommunikationsproblem, das sich durch inkonsistente Formatierung im Quellcode zeigt. Ein anderes Beispiel ist ein hoher Grad an Code-Duplikation. Hierzu kann es beispielsweise kommen, wenn ein Entwickler den Code seiner Kollegen lieber mit Copy-Paste-Adapt "wiederverwendet" als ihnen zu sagen, dass er ihren Code verwenden möchte, ihm dafür aber eine entsprechende API fehlt. Unserer Erfahrung nach können diese und andere Probleme durch den Einsatz von noch mehr Softwarewerkzeugen nicht gelöst werden. Und hier kommen die Soft Skills ins Spiel.

 

Judith: Entwickler vergessen gerne, dass 80 Prozent aller Kommunikation non-verbal verläuft. Oft ist Kommunikation in Projekten nur schriftlich, zum Beispiel durch IRC, Jabber oder Mail. Da geht viel verloren, was zu Konflikten führen kann. Es ist ein Trugschluss, dass man als Entwickler Mensch-Maschine-Kommunikation betreibt. Zwar wird der Quellcode "zwischendurch" vom Computer ausgeführt, aber er wird vor allem von anderen Entwicklern gelesen, wenn diese ihn anpassen oder erweitern wollen. Insofern kommunizieren Entwickler über den Quellcode indirekt miteinander.

 

PHP Magazin: Ihr bietet die Zertifizierung in drei verschiedenen Leveln an. Welche sind das – und wie unterscheiden sie sich im Wesentlichen?

 

Arne: Die Zertifizierung zum Certified PHP Craftsman gibt es in den Stufen I bis III. Grob gesagt lernt man auf der ersten Stufe die Grundlagen der Programmierung und die PHP-Plattform kennen. Auf der zweiten Stufe werden die Teilnehmer zu vollwertigen Software-Entwicklern ausgebildet, die selbstständig eine gestellte Aufgabe wirtschaftlich und nachhaltig umsetzen können. Hierzu gehören natürlich neben den grundlegenden OOP-Skills und Entwurfsmustern die heute gängigen Best Practices, die wir beispielsweise aus Clean Code oder SOLID kennen sowie ein solides Verständnis für Sicherheit und Themen der Qualitätssicherung.

 

Sebastian: Auf der dritten Stufe sehen wir dann einen Architekten, der über die benötigten technischen und kommunikativen Fertigkeiten verfügt, um nicht nur bedarfsgerechte Architekturen zu schaffen, sondern auch zu erkennen, wenn eine Aufgabe nicht in der IT gelöst werden kann. Er ist daran beteiligt, die gemeinsame Sprache von Fachabteilung, Entwicklung und Unternehmen auszuprägen und er kann technische Neuerungen beurteilen und über ihren sinnvollen wirtschaftlichen Einsatz im Unternehmen entscheiden.

 

PHP Magazin: Wie muss man sich Aufbau und Ablauf des CPC II-Kurses vorstellen?

 

Sebastian: Zunächst einmal ist die Ausbildung zum CPC II in mehrere Blöcke unterteilt: Soft Skills, Objektorientierte Programmierung, Testen, Design Patterns, Qualitätssicherung, Sicherheit. Für jeden dieser Blöcke gibt es Material zum Selbststudium sowie "Hausaufgaben", die von uns korrigiert werden. Jeder Block wird mit einem Präsenzseminar abgeschlossen, in dem die Inhalte – auch und gerade unter Berücksichtigung der Soft Skills – vertieft und eingeübt werden. Am Ende der Ausbildung zum CPC II steht ein Q+A Seminartag, an dem alle Trainer anwesend sind.

 

Judith: Die Ausbildung zum CPC II ist so aufgebaut, dass man sich mit allen Bereichen beschäftigen muss. Mit dem Lösen der Aufgaben sowie der Teilnahme an den Präsenzseminaren erwerben die Teilnehmer Credit Points, die für die Zulassung zur Prüfung benötigt werden. Man kann sich auch für die Prüfung qualifizieren, ohne in jedem Teilbereich der absolute Guru zu sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Schwächen auszugleichen.

 

Stefan: Die Ausbildung zum CPC II dauert ein halbes Jahr. Wir empfehlen, dass Unternehmen Mitarbeiter, die am CPC II-Kurs teilnehmen, für 25 bis 50 Prozent ihrer Arbeitszeit freizustellen, damit sie sich im Selbststudium die Inhalte erarbeiten sowie die Aufgaben bearbeiten können.

 

PHP Magazin: Kann man sich dabei auf einen Schwerpunkt konzentrieren, oder ist es das erklärte Ziel, die Entwickler am Ende auf ein einheitliches Niveau gebracht zu haben?

 

Arne: Auch wenn in Stellenanzeigen gerne das Allround-Genie gesucht wird, so gibt es in der Praxis nur wenige Entwickler, die sich für alle Bereiche gleich stark interessieren. Eine alleinige Konzentration auf bevorzugte Aspekte ist für eine ganzheitliche Ausbildung aber auch gar nicht nicht sinnvoll: Selbst wenn in der Praxis später nicht alle Belange in der täglichen Arbeit berührt werden, so ist ein gesichertes Wissen auch in vielleicht weniger beliebten Themen unerlässlich.

 

PHP Magazin: Sind die Abläufe und Übungsaufgaben immer identisch, oder erstellt Ihr auf die Teilnehmer zugeschnittene Fallbeispiele?

 

Stefan: Ein Teil der Aufgaben sind immer identisch, damit wir durch didaktische Reduktion Grundlagen schaffen können. Darüber hinaus gibt es einen Aufgabenbereich, in dem wir die Teilnehmer dazu anleiten, die erworbenen Fertigkeiten in Bezug zu ihrem eigenen Arbeitsalltag zu setzen. Echte Fallbeispiele aus den Unternehmen sehen wir uns im Rahmen der Ausbildung zum Certified PHP Craftsman auf der dritten Stufe an. Hier sollen die Teilnehmer damit konfrontiert werden, schnell die relevanten Rahmenbedingungen zu erkennen und zu bewerten, wie diese eine gewählte Lösung beeinflussen.

 

Judith: Wir werden uns bereits auf der zweiten Stufe konkret mit den Projekt- und Unternehmenskulturen der jeweiligen Firmen, aus denen die Entwickler kommen, beschäftigen. „Lehrbuchwissen“ ist im Bereich der Soft Skills das Eine, praktisches Erleben und eine konkrete Reflexion der eigenen Erfahrungswelt das Andere.

 

Judith, Sebastian, Arne & Stefan
Judith Andresen, Sebastian Bergmann, Arne Blankerts & Stefan Priebsch im Interview

PHP Magazin: Lasst uns ein wenig auf die Prüfung eingehen: Sie beginnt mit einer Programmieraufgabe. Was genau wird dabei geprüft?

 

Stefan: Der Prüfling hat zwei Stunden Zeit, eine Programmieraufgabe zu lösen. Erlaubt sind dabei alle Hilfsmittel – inklusive dem Internet. Es kommt uns nicht darauf an, dass der Kandidat alle PHP-Funktionen oder gar deren Parameterlisten auswendig kennt. Er soll vielmehr zeigen, dass er die Anforderungen erfassen und sinnvoll in funktionierende Software umsetzen kann. Für das Bestehen der Prüfung ist auch zweitrangig, ob er die Aufgabe vollständig gelöst hat, solange der Kandidat uns im anschließenden Prüfungsgespräch davon überzeugen kann, dass er die Probleme, die wir in der Aufgabe versteckt haben, erkannt und für die meisten davon zumindest eine sinnvolle Lösungsidee hat.

 

Arne: Der von uns gestatte Zugriff auf das Internet mag auf den ersten Blick zur Annahme verleiten, man könnte zumindest für Teile der Aufgabe eine fertige Lösung aus irgendeinem Forum kopieren – sofern man denn etwas Passendes findet. Dies ist uns natürlich bewusst, allerdings muss der gefundene Code architektonisch zum Rest passen und der Prüfling muss zum Bestehen auch die abgegebene Lösung als Ganzes erklären können.

 

Sebastian: Außerdem ist ja absolut nichts daran falsch, Lösungsideen oder auch Code wiederzuverwenden, wenn man weiß, was man da tut und sich eventueller Konsequenzen bewusst ist.

 

PHP Magazin: Die Prüfung umfasst auch einen mündlichen Teil. Dieser beginnt ja mit der Präsentation der Programmieraufgabe. Kommen bei der Diskussion des Lösungswegs, den der Prüfling gewählt hat, die Soft Skills zum Tragen?

 

Sebastian: Es geht bei der Programmieraufgabe ja nicht um das Erraten einer Musterlösung, sondern vielmehr darum, eine Lösungsidee zu haben und diese im Rahmen der verfügbaren Zeit konsequent umzusetzen. Eine Lösungsidee allein genügt aber nicht, man muss sie auch kommunizieren können: Im Alltag muss man sie den Kollegen erklären können, in der Prüfung präsentiert der Teilnehmer sie uns Trainern.

 

Stefan: Es gibt ja bei der Entwicklung von Software nicht ein Richtig oder Falsch, sondern alternative Lösungen mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen. Diese muss man allerdings erkennen und bewerten können.

 

PHP Magazin: Wie kann man sich den Rest der mündlichen Prüfung vorstellen?

 

Arne: Der zweite Teil der Prüfung ist ein Gespräch des Teilnehmers mit den vier Trainern. Hier geht es nicht darum, Fachwissen abzufragen. Der Prüfling soll vielmehr demonstrieren, dass er Konzepte verstanden hat und anwenden kann. Technische Details wie Funktionsnamen oder Parameterlisten kann man jederzeit online nachschauen. Diese Art von Information muss man nicht auswendig wissen, man muss aber wohl wissen, wo man sie nachschauen kann.

 

Judith: Uns geht es darum, dass der Absolvent seine eigenen Grenzen kennt und diese auch benennt. So ist es ja auch im Projektalltag: Man recherchiert im Netz, fragt die Kollegen oder initiiert einen Peer-Review. Wir möchten nicht Multiple-Choice-Wissen abfragen, sondern mit Absolventen sprechen, die sich und die Aufgabenstellung reell einschätzen.

 

PHP Magazin: Ein interessanter Ansatz. Jetzt erzählt uns noch, in welchem Zeitraum man sich für die Zertifizierung anmelden kann – und wann der erste Durchlauf beginnt.

 

Stefan: Der erste CPC II-Kurs beginnt Anfang Dezember 2012 und endet im Juni 2013. Die Anmeldung läuft bereits, wir haben aber noch einige Plätze frei. Unter http://thePHPcurriculum.de findet man weitere Informationen.

 

Sebastian: Darüber hinaus bieten wir interessierten Entwicklern beziehungsweise Firmen die Möglichkeit zu einem Vorabgespräch, in dem wir das Konzept des Curriculums sowie den Ablauf des ersten CPC II-Kurses erläutern. Auf Wunsch unterstützen wir Firmen durch ein Assessment bei der Auswahl der Mitarbeiter, die sie für den CPC II-Kurs anmelden sollten. Hierbei stellen wir in einem Gespräch sicher, dass der Interessent die richtigen Voraussetzungen für den CPC II-Kurs mitbringt.

 


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