Space X: mit einer Post Mortem Analyse in die Geschichtsbücher  

Elon Musk wird mit seinen Firmen Tesla und Space X oft als "wahrer Tony Stark" beschrieben. Wie das Alter Ego der Comicfigur Iron Man ist er ein hervorragender Ingenieur. Anders als Iron Man aber offensichtlich kein Einzelkämpfer. Vielmehr treibt er Teams zu außergewöhnlichen Leistungen (wenn auch seine Einstellung zur Work-Life-Balance seiner Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen fraglich ist).

Was ist in der Zwischenzeit passiert?  

Sein jüngster Erfolg ist die aufrechte Landung der — nun wiederverwertbaren — Trägerrakete Falcon 9. Dieser Erfolg ist wohl auch auf eine Methode zurück zu führen, die fester Bestandteil Eures Projektmanagement-Baukastens sein sollte: die Post-Mortem-Analyse (PMA). Das ist die "Leichenbeschau" eines Projektes nach seinem Scheitern.

 

Dem jüngsten Höhepunkt der Unternehmens- und Raumfahrtgeschichte ging ein absoluter Tiefpunkt voraus: Am 28.06.2015 explodierte eine Falcon 9 Rakete 139 Sekunden nach dem Start. Ein schwarzer Fleck auf der weißen Weste des erfolgsverwöhnten Unternehmens.

 

Sechs fluglose Monate später traut Space X der neuen 9.2 Version der Rakete nicht nur zu, elf Satelliten ins All zu befördern, sondern auch noch anschließend wieder aufrecht zu landen. Und hat bahnbrechenden Erfolg. Musk sagt dazu in einem Interview:

"It is very important to understand the exact sequence of what happened.
Line everything up exactly right.“

Das ist auch die übliche Vorgehensweise bei der PMA: Jeder Projektteilnehmer und jede Projektteilnehmerin erstellt für sich selbst einen Zeitstrahl. In einer gemeinsamen Retrospektive werden dann die Sichtweisen der einzelnen Teammitglieder auf einen gemeinsamen Zeitstrahl übertragen. Diese entwickeln daraus Einsichten und Learnings. Anders als bei der "normalen" Retro lautet die Kernfrage: "Was hätte ich als Person anders machen können, damit das Projekt nicht in diese Situation geraten wäre?" oder "Wann hätte ich anders handeln können?"

 

Während der Zeitstrahl für unsere PMAs üblicherweise mehrere Wochen beträgt, hat sich Space X monatelang mit den Messwerten aus 0,893 Sekunden beschäftigt. Das ist der Zeitraum, der zwischen "alles normal" und der Zerstörung der Rakete verstrichen ist. Das ist dann wohl echte "Raketenwissenschaft". Eine normale PMA ist es nicht.

 

Mehr zum Thema PMA gibt es in Judiths Buch "Retrospektiven in agilen Projekten".


 

 

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