Komplex = teuer?

90% aller Megaprojekte überschreiten ihren Budget- und Zeitplan. Und sie tun das, weil sie komplex sind. Und damit sind die Verantwortlichen auch unschuldig an der Zeit und Budgetüberschreitung. Das sagt jedenfalls laut eines SPON-Artikels eine Studie von Roland Berger.

 

Ach? Ich habe da Zweifel.

Wir haben gute Erfahrungen mit dem System-Framework Cynefin des Wissensmanagers Dave Snowden gemacht. Er kennt die fünf Projekthabitate offensichtlich, kompliziert, komplex, chaotisch und unordentlich.

 

Die Unterscheidung zwischen komplizierten und komplexen Projekten trifft er dabei an zwei Fragen:

  • Gibt es ein klares Ziel oder nur einen Zielraum?
  • Gibt es bekannte Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung, oder müssen wir diese im Projekt iterativ herausfinden?

Ich gehe doch davon aus, dass beim Flughafen BER und bei der Hamburger Elbphilharmonie, den beiden typischen FAIL-Beispielen für Großprojekte unserer Zeit, ein klares Ziel definiert war. Oder wurde mit dem Zielraum „sowas wie ein Flughafen“ angefangen zu bauen? Wenn das so wäre, wäre es zumindest bei den nächsten Projekten einfach zu vermeiden.

 

Auch mögen die Ursache-Wirkungs-Beziehungen nicht für jedermann offensichtlich sein. Ein Expertengremium müsste und hat sicherlich einen Bauzeitenplan mit entsprechenden Abhängigkeiten aufgestellt. Damit wäre der BER nach der Cynefin-Definition ein „kompliziertes“ Projekt, aber eben kein „komplexes“.

 

Der Autor schreibt weiter „Dabei macht es keinen Unterschied, in welchem politischen oder wirtschaftlichen System ein Projekt durchgeführt wird“. Das wundert mich schon, denn die politische Einflussnahme scheint mir der entscheidende Faktor zu sein. Ich gehe fest davon aus, dass diese Einflussnahme laufend neue Anforderungen in das laufende Projekt gekippt hat und damit aus einem Ziel einen Zielraum macht. Genau dadurch entsteht dann ein komplexes Projekt, das aber weiterhin mit den Projektmethoden eines komplizierten Projektes gemanagt wird.

 

Dave Snowden beschreibt den Zustand solcher Projekte als "Unordnung" („disorder“). Und dort scheitern sie.


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