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Bücherstapel (Einrichtung des Seminarliegers VILLA HENRIETTE)

Wenn alles faktisch passt + doch was fehlt, braucht es den Bauch.

Dunkelblaue Comic-Figur mit kurzem, lockigen Haar

Vorstellungsgespräche können Führungskräfte + Teammitglieder widersprüchlich hinterlassen.


Fachlich passte doch alles, die bisherigen Aufgaben passten 1a in das aktuelle Teamgeschehen + doch ist da dieses Gefühl zum Teamgefüge: "Bekommen wir das zusammen hin?"


Wenn die Intuition an dieser Stelle kein Gehör findet, hat die Geschichte Potenzial auf unklare + verletzende Verwicklungen.


Den Bauch wahr- + ernstnehmen

Sowohl in Vorstellungsgesprächen, während eines Nemawashi, mitten in der Veränderungskommunikation, aber auch in der Probezeit kann sich diese knirrschige Gefühl zeigen.


Im Gespräch benennt Euer Gegenüber, dass die fachliche Seite stimmt, die methodische Vielfalt da sei, die Haltung passe, Ihr das Gleiche wolltet. Ihr hört diese Aussagen + irgendwie fühlt sich das nicht richtig, nicht aufrichtig, nicht, ... Euch fehlen die Worte für die gefühlte Unstimmigkeit. Und weil Ihr das nicht in klare Worte fassen könnt, weil Ihr keine klare Analyse präsentieren könnt, verschweigt Ihr Euer Bauchgefühl.

Bauch

Nicht nur rund um Personalthemen, sondern für beliebige Führungsfragen, ordnen viele Führungskräfte ihrer Ratio deutlich mehr Gewicht als ihrer Intuition ein:

"Das kann ich doch so nicht sagen. Ich habe nichts, mit dem ich dieses Gefühl belegen kann."

Ungehörte Bauchgefühle werden zu Vorwürfen: "Das habe ich schon immer gesagt!"


Comic-Figur im Anzug, in den Kopf fährt ein roter Blitz

Ungehörte Bauchgefühle können Organisationen in ihrer Existenz gefährden. Wenn Organisationsmitglieder in strategischen Sitzungen das Standardprogramm abspielen + die Inhalte schon vor der eigentlichen Sitzung feststehen, spulen die Beteiligten leicht nur das sozial erwünschte Verhalten ab. Die eine Seite freut sich, dass alle Untergruppen schöne Teilziele formuliert haben; die andere Seite zeigt formal, dass sie engagiert und klar ist.


Doch Bekräftigungen "Wir sind dran am Thema" oder "das ist ein wichtiges Thema, das wir neben dem Tagesgeschäft bedienen werden" hinterlassen womöglich Fragezeichen in den Beteiligen wie: "Das fühlt sich nicht, als gäbe es eine wirklich Idee zur Operationalisierung" + "Habe ich nicht letztes Jahr etwas Ähnliches gehört? Werden auch die Erklärungen fürs Nicht-Erreichen die gleichen sein?"


Wer so aus der strategischen Sitzung geht, dem entfährt in der darauffolgenden Sitzung womöglich: "Das habe ich immer gesagt, dass das so nicht funktioniert. Wir brauchen da echt mehr Einsatz." So wird das ungesagte Gefühl zu einem Vorwurf, den die Beteiligten nur schlecht wechseln können: "Wenn dem*der so klar war, hätte mir eine Ansage geholfen. Irgendwie ja sagen und es hinterher besser wissen, dass kann der*die gut. Das ist keine Führung, das ist eine Zumutung! Ich mache jetzt nur noch Dienst-nach-Vorschrift."


Wenn das Bauchgefühl offen ausgesprochen und verhandelt worden wäre, hätte diese Organisation echt gewinnen können.


Erspüren + erdenken ist gleichzeitig gefragt.

Dunkelblaue Comic-Lupe, darin ein Herz

Im Bewerbungsgespräch ist alles eigentlich alles rund. Der Lebenslauf passt, die fachliche Tiefe ist vielversprechend für Euch als Team, die Antworten sind strukturiert + wohlwollend. Auf Fragen zur Zusammenarbeit folgen Sätze wie: „Mir ist Feedback total wichtig“, „Ich finde es gut, dass Ihr im Team auf Augenhöhe arbeitet“ +„Ich suche genau so ein Umfeld.


Obwohl alles stimmt, fühlt sich das nicht richtig an: „Irgendetwas passt nicht. Aber ich bekomme das nicht gegriffen. Das kann ich doch so nicht sagen. Das wird schon gut gehen, wenn der*die kommt. Der*die kann das alles, sagen die Papiere. Und er*sie hat mehrfach betont, wie toll er*sie uns da findet, wie wir das machen.


Die Ratio überzeugt also den Bauch, zu schweigen. Es gibt keine Fakten, die gegen die Einstellung sprechen, es gibt nur das widersprüchliche Gefühl zwischen fachlicher Begeisterung + dem Gefühl, dass nicht recht in die Sprachfähigkeit kommt.

"Höre auf Deinen Bauch!"

Vielleicht wird sich im Verlauf zeigen, dass der*die neue Kolleg*in noch nicht kritikfähig ist. Vielleicht wird sich herausstellen, dass der*diejenige Feedback noch nicht als Lerngeschenk in Erwägung zieht, sondern zu jedem Zeitpunkt auf Erklärungen + Beschuldigungen beharrt. Vielleicht wird sich herausstellen, dass aktuell das Selbstbild des*der Neuen noch kein offenes, neugieriges Lernen zulässt. Vielleicht wird sich herausstellen, dass der*die neue Kolleg*in noch nicht in einem selbstorganisierten Team seine*ihre Funktion ausfüllen kann.


In allen Fällen wird es brauchen, bis die Beteiligten erkennen, dass sie sich zusammen entwickeln + lernen müssen. Wäre das Bauchgefühl früh benannt worden, hätten die Beteiligten früh herausbekommen können, ob sie diesen Entwicklungsweg zusammen gehen möchten.


Der Bauch muss mitsprechen

Comic-Ohr mit Verbindung zu einem Bauch, darin ein Herz

Wenn das Bauchgefühl etwas anderes zeigt, als die Ratio denkt, hilft es, das Bauchgefühl durch Fragen in die Sprachfähigkeit zu übersetzen.


In der BERATUNG JUDITH ANDRESEN stellen wir uns bei Einstellungsprozessen allen Teammitgliedern die Frage: "Kannst Du Dir vorstellen, mit dem*der Kandidat*in zu lernen?" Die Beteiligten entwickeln so ein gemeinschaftliches Bild, wie das Lernen so gehen könnte, was gut funktionieren wird + wo voraussichtlich Hindernisse in der Zusammenarbeit zu erwarten sind. Mit dieser Leitfrage bekommen wir unsere Bauchgefühle in die Sprachfähigkeit. Wir klären so vermutete Stolperfallen bereits im Einstellungsprozess und stellen unser Onboarding darauf ein. Dabei können die Onboarding-Maßnahmen genauso die bestehenden wie die neuen Teammitglieder betreffen.


Die Frage "Kannst Du Dir vorstellen, mit dem*der Kandidat*in zu lernen?" adressiert direkt den Bauch. Sowohl in Einstellungsprozessen als auf (organisations-)kritischen Entwicklungspfaden adressiert die Frage

„Glaubst Du daran, dass der Mensch sich in diesem Umfeld dahin entwickeln kann?“

die Bäuche der Gefragten. Mit dieser Frage werden keine Fakten erfragt, sondern es wird eine emotionale Einschätzung erbeten. Daran kann sich rational die Frage der dienenden Leitung anschließen.

„Welchen Anteil braucht es von Dir dazu?"

In Abständen antworten Organisationsmitglieder auf diese Frage vorwiegend mit ihrem Anspruch, ihrer Erwartungshaltung + ihrem Selbstbild. In diesem Falle hilft es wiederum, den Bauch direkt zu adressieren:

"Fühlt sich das gut an, diesen gemeinsamen Weg zu gehen?"

Bauchgefühl + Intellekt bekommen zusammen Großes hin. Es ist an der Zeit, ihnen beiden den gleichen Platz einzuräumen.



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