Wer ist der Bestimmer?

In Kindertagen einigte man sich mit seinen Geschwistern, wer im Auto vorne sitzen darf. Oder ein "Bestimmer" klärte die Situation.

 

Wer ist der Bestimmer in Unternehmen? Agil und klassisch geführte Unternehmen beantworten diese Frage unterschiedlich.

Mood: Innenansicht Oldtimer-Cabrio
Bild: morgueFile

In klassisch-hierarchischen Systemen ist die entscheidende Stimme die ranghöchste Stimme. Aufgabe der Mitarbeiter ist es, eine ausgewogene, angemessene und sinnvolle Entscheidungsvorlage vorzulegen. Das Management übernimmt die Entscheidung und die Verantwortung.

 

"We don't believe in HIPPOS" antwortet zum Beispiel Booking.com auf dieses System: Die "Highest paid person's opinion" ist bei ihnen nicht nicht entscheidende Stimme. Booking.com überprüft Geschäftsideen auf der Site. Ideen, die funktionieren, werden beibehalten; Ideen, die nicht funktionieren, werden verworfen. Ideen, die signifikant schlecht funktionieren, werden sehr schnell verworfen und direkt aus den AB-Tests genommen. 

 

So reduziert dieses Unternehmen das Risiko. Die Verantwortung für das Gesamtgeschehen kann so von allen gemeinsam getragen werden. Management hat in einem solchen Unternehmen die Aufgabe, den Mitarbeitern Freiraum zu verschaffen: Damit Ideen entstehen können, die überprüft werden können.

 

Mitarbeiter in klassisch geführten Unternehmen fühlen sich leicht veräppelt, weil "die obere Heeresleitung Amok entscheidet". Der entsprechende Mitarbeiter fühlt sich nicht wertgeschätzt und wird nicht wahrgenommen. Erfolgt aber eine angemessene Form der Entscheidung und Verantwortungsübernahme, kann dies eine große Entlastung für den einzelnen Mitarbeiter bedeuten. Im Sinne des Funktionsmeistertums kann er sich auf eine Aufgabe konzentrieren und zur Meisterschaft perfektionieren, ohne das große Ganze im Blick haben zu müssen. In agilen Unternehmen gibt es auch zwei große Themen:

  1. Die gemeinschaftliche Verantwortungsübernahme überfordert viele Mitarbeiter. Diese fordert ein unternehmerisches Denken ein, die nicht jedem liegt. Studien zeigen, dass Manager i.A. ein höhere Risikofreude und eine schnelle Entscheidungsfähigkeit besitzen. Eigenschaften, die nicht jeder hat.
  2. Als soziale Wesen richten wir uns nach der "alpha voice". Ist diese nicht institutionell besetzt, sucht sich jede Gruppe (und jede Teilgruppe in einem Unternehmen) diese Stimme selbst. Dies kann langwierige Konfliktphasen ("Storming im Teambuilding") nach sich ziehen.

 

In agil geführten Unternehmen verändert sich die Rolle der Vorgesetzten und der Mitarbeiter (wenn es diese Unterscheidung überhaupt noch gibt). Viele StartUps beginnen agil, ohne sich der zu Grunde liegenden Werte wirklich bewusst zu machen. Mit wachsender Größe, oft bei Eintritt des ersten Venture Capitalist (VC), ändert sich die Unternehmenskultur. Agile Verhaltensweisen mutieren in eine klassisch angehauchte Form. Auch dieser Prozess folgt keinem überlegtem Muster.

 

Die klassische Unternehmensform ist seit Jahrzehnten bekannt. Das agile movement ist zwanzig Jahre alt. In schwierigen Situationen (Wachstum hat seine Tücken!) fällt der Mensch in bekannte Verhaltensmuster zurück. Klassische Unternehmensführung ist in diesem Sinne bekannt und erprobt.

 

Es lohnt sich das bewusste Fragen: Welche Art der Unternehmensführung passt zu uns - also zu uns als Gruppe und zu unserem Geschäftsmodell?

  • Welches Tempo in Entscheidung und welche Entscheidungsqualität ist für unser Geschäftsmodell angemessen?
  • Welche Entscheidungsprinzipien führen in unserem Umfeld zu einem schnellen und im Sinne des Geschäftsmodell "sicheren" Ergebnis?
  • Welche Beteiligungsformen passen zu uns?

Diese überaus spannenden Fragen werden sehr unterschiedlich beantwortet werden. Während die einen agil und im Team entscheiden können, erfinden andere neue Bewertungskriterien für Geschäftsentscheidungen. Noch andere mögen befinden, dass ihr Geschäftsmodell mit einer klassischem Managementform gut bedient wird. 


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