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Nähe in der Distanz schaffen

Die wohl häufigste Kritik an remote-Formaten ist die fehlende Nähe zwischen den Teilnehmer*innen. Anstatt in einem Raum zu sitzen, jede Bewegung der Mundwinkel, Seufzen und/oder Augenbrauenkräuseln wahrnehmen zu können, schauen wir auf Bildschirme und sehen im Normalfall nur ein gekrisselten Kopf.

Remote-Termine sind anders als Präsenztreffen, das steht außer Frage. Dennoch gibt es Möglichkeiten, remote-Termine dynamisch, interessant und aktiv für Teilnehmer*innen zu gestalten. Wir haben Euch hier einige verprobte Ideen aus den letzten Monaten zusammengefasst.

Vorbereitung: Päckchen Packen

Schon die Vorbereitung von remote-Formaten funktioniert anders als die von Präsenzformaten. Während ich einen Präsenztermin am Tag vorher oder gar am selben Tag vorbereiten kann, muss ich für remote deutlich eher beginnen. Das liegt vor allem an Einem: der Post. 

 

Wir starten mit der Vorbereitung von remote-Formaten üblicherweise bereits zwei bis drei Wochen vor dem Termin. Die Vorbereitung fokussiert sich vor allem auf folgende Fragestellungen:

  • Was ist der Zweck des Termins?
  • Was soll im Termin passieren?
  • Wie erfahren ist die Gruppe/das Team bereits im remote-Format?

Anhand der Antworten entscheiden wir: Was müssen und möchten wir vorab versenden?

 

Bei den Päckchen vorab geht es darum, die Teilnehmer*innen mit gegebenenfalls notwendigen Arbeitsmaterialien und Arbeitsbögen auszustatten. In unserem Fall können das Texte oder Übungsbogen sein. Es geht aber auch um etwas Anderes: Vorbereitung von Nähe in der Distanz.

Persönliches mitsenden

Das Päckchen enthält eine handgeschriebene Karte mit einem persönlichen Gruß. Sofern bisher nicht vorhanden remote-Karten, die im Termin eingesetzt werden können, um nonverbale Kommunikation zu ermöglichen.

 

Auch versenden wir in den meisten Fällen einen Snack für den kleinen Energieschub zwischendurch, hierfür haben sich Energieriegel oder Bonbons bewährt. Schokolade (Schmelzgefahr!) oder Verderbliches ist eher ungeeignet ;-)

Gruppeneinteilung vorbereiten

Auch können in dieses Päckchen bereits Inhalte zur Gruppeneinteilung enthalten: jeweils zwei oder drei identische Bildchen, anhand dessen sich Kleingruppen bilden, kleine Puzzle, die durch Vergleich am Bildschirm zu einem großen Bild werden oder einfach unterschiedlich farbige Post-Its, aus denen sich die Gruppenzuteilung ergibt. 

Aktivität und Dynamik in remote-Terminen

Für Dynamik in remote-Terminen eignen sich unterschiedlichste Spiele. Auch hierbei gilt: Wir überlegen uns bereits im Vorfeld, welche dynamischen Elemente wir in den Termin einbauen möchten. Gegebenenfalls enthalten die Päckchen auch das Material hierfür.

 

Aus unserer Erfahrung können hervorragend kleine Lego-Elemente versendet werden aus denen Dinge gebaut werden müssen.

Eine einfachere Variante sind Pfeifenreiniger: Diese sind herrlich biegbar und es lassen sich daraus unterschiedlichste Figuren formen. So könnte eine Zwischenaufgabe im Termin lauten: "Formt Euer Lieblingstier und lasst es die anderen erraten!"

 

Auch ohne Material kann Aktivität in remote-Terminen diese deutlich attraktiver und interessanter werden lassen. So spielen wir gerne das Spiel "Hol dein Lieblingsbuch und halte es in die Kamera" (Screenshot machen!), machen mit den Teilnehmer*innen "Jumping Jacks", lassen Bilder malen, Pantomime machen und und und. Für einige mag diese Art der Aktivität zunächst einmal ungewohnt sein, aus unserer Erfahrung erhöht sich hierdurch aber die Beteiligung und Kurzweiligkeit ungemein.

Denn mal ehrlich: Niemand möchte durchgehend nur auf einen Bildschirm starren.

Gemeinsam Feiern!

Gemeinsames Feiern auf Distanz will vorbereitet werden. Zum Abschluss unser Ausbildungsformate versenden wir kleine Piccolo-Flaschen und nach Möglichkeit Luftschlangen, Ballons und/oder Konfetti. Diese können gemeinsam getrunken, geworfen und aufgepustet werden. Ein feierliches Gruppenfoto (Screenshot) rundet das Erlebnis ab.

 

So haben wir zum Beispiel in den letzten Monaten mehrere Agile Coach-Ausbildungen in remote-Ausbildungsblöcken abgeschlossen. Durch vorbereitete Päckchen kam aus unserer und auch aus Teilnehmer*innen-Sicht echtes Feiergefühl auf, und es wurde auch das eine oder andere Tränchen verdrückt. 

Persönliche Gespräche

Individuen und Interaktionen haben Vorrang vor Prozessen und Werkzeugen, sagt das agile Manifest.

 

Dieser Grundsatz gilt auch dann, wenn persönliche Gespräche von Angesicht zu Angesicht (sechstes Prinzip) über einen Computer-Bildschirm stattfinden.

 

Echte Nähe entsteht nicht zwingend durch Präsenz im gleichen Raum. Sie entsteht vor allem durch den Raum, individuelle Gefühle und Bedürfnisse teilen zu können. Auch remote ist es möglich, Pärchen oder Kleingruppen in eigene kleine Konferenzen zu schicken und sie über Fragestellungen in einen persönlichen Austausch zu bringen. Hierbei können entweder vorbereitete Emotionskarten oder Moving Motivators helfen. Aber auch ein "Check-in" über ein Pärchen-Interview mit den Fragen "Wie geht es Dir heute?", "Wie funktioniert Dein Homeoffice gerade für Dich?", "Wie hast Du Dein Wochenende verbracht?" kann ein Türöffner sein.


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