Minimum Viable Product – eine Metapher mit Elefanten

Die Idee des Minimum Viable Product (MVP) ist für viele schwer zu greifen. An Stelle von „vollständig und perfekt“ gilt es, „klein und in sich vollständig“ zu erfüllen.

A minimum viable product has just those core features that allow the product to be deployed, and no more.

[Wikipedia] Die konkreten Kernfeatures zu bestimmen, fällt vielen Projektteams schwer. Häufig hören wir: "Das geht nicht kleiner!" Die folgende Metapher hilft Euch (vielleicht) das richtige MVP zu finden.

Aufgabe: Großen Wald naturnah abholzen  

Ihr seht vor Euch einen sehr großen Wald mit sehr unterschiedlichen Bäumen. In dem Wald gibt es kleine und große Fichten, kleine und große Tannen, mehrere Sorten Laubbäume und riesengroße Mammutbäume. Dazwischen stehen – wie es so einem Wald ist – einige Ameisenhaufen und viele Farne.

 

Eure Aufgabe ist es, diesen sehr, sehr großen Wald naturnah innerhalb der nächsten sechs Monate abzuholzen. Alle Bäume sollen gefällt werden – und der Waldboden soll nach dem Abholzen nicht verdichtet sein.  

Projektansatz

Das Heraustragen der Bäume ist für die Böden anstrengend. Trecker sind zu schwer und verdichten den Boden zu sehr. Pferde sind im Prinzip sehr bodenschonend, aber leider nicht in die Lage, die Mammutbäume zu bewegen. Elefanten sind in der Lage, Mammutbäume zu bewegen.

 

Die Projektstrategie ist es also, mit einer Elefantenherde den Wald naturnah abzuholzen. Für eine Herde Elefanten braucht Ihr Ställe, Futter und Elefantenführer und -führerinnen und einen Plan, wie Ihr am Schnellsten die Bäume aus dem Wald heraustragt.

Der klassische Weg

Wenn das Team das Projekt klassisch angeht, werden zunächst alle Bäume im Wald kartografier. Das Projektteam ermittelt, wie viele Elefanten benötigt werden, um in der gegebenen Zeit den Wald abzuholzen.

 

Um die große Anzahl von Elefanten zu führen, wird die Anzahl der Elefantenführer und -führerinnen bestimmt. Gleichzeitig muss das korrekte Verhältnis von Elefanten zu herauszutragenden Bäumen bestimmt werden. Hierfür ist eine Benchmark-Studie sinnvoll. Gleichzeitig werden Planungen für die Ställe und Futterversorgung aufgenommen. 


Die Teilpläne werden in eine Meilenstein-Planung überführt:

  1. Detailplanung aller Teilprojekte: Stallbau, Beschaffung Elefanten + Futter, Einstellung Elefantenführer und -führerinnen, Heraustragen der Baumstämme
  2. Aufbau der Ställe
  3. Beschaffung Futter
  4. Einstellung aller Elefantenführer und -führerinnen
  5. Anschaffen der Elefanten
  6. Start der Umsetzungsphase: Heraustragen der Bäume gemäß des Planes mit der gesamten Elefantenherde

In der sechsten Projektphase werden viele Elefanten gleichzeitig in den Wald geführt. Als die gesamte Herde im Wald steht, scheut der erste Elefant vor dem Ameisenhaufen. Die gesamte Herde bricht aus und zerstört den Waldboden.

 

Das Projekt ist gescheitert.

Agiles Vorgehen mit einem MVP-Ansatz

Für ein agiles Vorgehen suchen wir uns einen Elefantenführer oder -führerin. Und wir besorgen einen Babyelefanten. Babyelefanten können nur kleine Fichten aus dem Wald tragen.

 

Aber dies ist ein fertiges Inkrement. Der Start des ersten Heraustragens ist also signifikant früher als im klassischen Vorgehen. Mit dem ersten Babyelefanten lernt das Projektteam, dass Elefanten vor Ameisenhaufen scheuen. Und wird sich darauf einstellen.

 

Zug um Zug kann die Elefantenherde aufgebaut werden. Die Ställe werden entsprechend der Bedarfe für die Elefanten erbaut. Entsprechend wird das Personal zum Führen der Elefanten aufgebaut.

 

Ein iterativ-inkrementelles Vorgehen löst das Projekt deutlich effizienter und erfolgreich.

Und nun Euer MVP!

Wenn Ihr an Eurem nächsten MVP arbeitet, fragt Euch einfach:

  1. Was ist unser Ziel?
  2. Was sind unsere Rahmenbedingungen?
  3. Und welcher Babyelefant hilft uns jetzt?

In der Bestimmung des MVP lohnt es sich, im Elefantenbild zu bleiben:

  • Ist das noch ein Babyelefant?
  • Äh, bewegen wir nicht schon Mammutbäume?
  • Was sind denn für uns kleine Fichten?

Viel Erfolg beim Einsetzen dieser Metapher!


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