Was macht einen professionellen Software-Entwickler aus?

Robert C. Martin, genannt Uncle Bob, hat seinen Anspruch und die notwendige Haltung von Software-Entwicklern in dem Buch "The Clean Coder" zusammengefasst. Dieses basiert auf seiner 40jährigen Erfahrung als Entwickler.

 

Sein Ziel: Professionelle Software-Entwickler, die klar im Wort, gut in der Argumentation und exzellent im Programmieren sind, ohne dabei überheblich zu wirken.

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Robert C. Martin erzählt persönlich und oft mit autobiographischem Bezug von seinen Fehlern als Entwickler. Und leitet daraus ab, welches Verhalten sinnvoll gewesen wäre bzw. nach welchen Regeln er heute auf Grund dieser Erlebnisse arbeitet.

 

Der Autor liebt seinen Beruf. Die Herausforderung der IT, neue Welten zu modellieren und zu entwickeln, ist seine Leidenschaft. Er stellt mit seinem Buch Regeln auf, die Software-Entwickler zu verlässlichen und verbindlichen Partnern im Business-Prozess machen. 

 

Professionelle Software-Entwickler bilden sich in ihrer Freizeit fort, sie sind im Berufsalltag sind sie klar im Wort und exzellent in den Ergebnissen. Für den Autoren sind Software-Gewerke "maintenable" auszugestalten, sauber modelliert und über (z.B. Unit-)Tests abgesichert. "Quick & dirty" ist zu keiner Zeit eine Option. 

 

Gleichzeitig erläutert Robert C. Martin, wie jeder einzelne Entwickler durch Erklärungen seine Entwicklungsmethodik und die daraus abgeleiteten Timings begründen und damit erreichen kann. Seine Definition eines professionellen Entwicklers teile ich nicht in jedem Detail - z.B. seine Forderung nach zwanzig Stunden Fortbildung pro Woche, wobei ich nicht die Forderung nach eigener Fortbildung in Frage, sondern die Höhe in Stunden, in Frage stelle. Robert C. Martin sieht den Erfolg für IT-Projekte vorallem in klarer Kommunikation. 

Daraus leitet er u.a. die folgenden Regeln ab:

  • Erstelle guten Code! Teste, teste & teste. Sichere Deine Ergebnisse ab.
  • Sage nein, wenn es nicht zeitlich / inhaltlich / technisch nicht in der geforderten Form funktioniert.
  • Sage deutlich ja, wenn Du ja sagen kannst. Liefere!
  • Wenn sich Risiken & Probleme einstellen, rede darüber!

Der Autor führt mögliches Verhalten in Form von Planspielen vor und zeigt die Konsequenzen unterschiedlicher Verhaltens- und Kommuikationsformen auf. Er fordert von jedem Software-Entwickler neben den eigentlichen Programmierkenntnissen auch Kenntnisse in Projektdurchführung zu haben - damit jeweils eine Beurteilung des Gesamt-Setups und ein entsprechendes Einbringen möglich ist.

 

Mit Erfahrung und Sachverstand führt Robert C. Martin den Leser durch den Berufsalltag des Software-Entwicklers. Und so erklärt er unterschiedliche Erwartungshaltungen an Ziele, welches durch "Business People" bzw. Entwickler artikuliert werden, fordert dazu auf, nur an Meetings teilzunehmen, die effizient sind, fordert Klarheit in Timings (und einen guten Umgang mit Risiken & Puffern), und immer wieder Verbindlichkeit in der Aussage. Mehrfach weist der Autor auf mögliche Reputationsfallen hin. Wahre Reputation stellt sich für denjenigen ein, der sich in seinem Sinne professionell verhält. Robert C. Martin stellt das erfolgreiche, verbindliche Wirken über ein "ich versuche das". Er glaubt nicht an "Versuchen", denn er sieht keine mögliche Form einer Beschleunigung im Entwicklungsprozess, wenn die zu Grunde liegenden Zeit- und Risikoschätzungen professionell erfolgt sind. Er unterstreicht dies mit einem Zitat von Yoda: 

 

Do, or do not. There is no trying.

 

"The Clean Coder" wurde mir nach Lektüre des enttäuschenden "Soft Skills für Software-Entwickler" empfohlen. Und tatsächlich, dieses Buch ist eine Bereicherung. Denn an Stelle von Kommunikationsmethodik im Detail beschreibt Robert C. Martin eine professionelle Haltung als Software-Entwickler. Dies mag vielen Inspriation sein, die eigene Arbeitsweise zu überdenken und im Sinne Martins zu professionalisieren.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.


 

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Kommentare: 1
  • #1

    edorian (Montag, 23 Juli 2012 09:21)

    Mit "The Clean Coder" hat UB für mich einen wundervollen und würdigen Nachfolger zu "Clean Code" geschrieben.

    2012 ist es, zumindest in meiner Wahrnehmung, nicht mehr so schwer guten, wartbaren Code zu schreiben und die spannenderen/kritischeren Punkte eines Projekts sind noch mehr die Mitarbeitenden und ihr Verhalten.

    Mit seinem A5 Format und seinen großgeschriebenen 230 Seiten (so ich mich richtige erinnere) ist "The Clean Coder" sehr schnell lesbar und schlägt eigentlich erst so richtig ein wenn man sein Verhalten später reflektiert.

    UB ist einer der wenigen 'weißen alten' unseres Felds bei dem ich finde das man akzeptieren kann das er einen "Code of Conduct for Professional Programmers" beschreibt.

    Ich kann das Buch nur wärmstens Empfehlen und hoffe das sich dieses Mindset in unserer jungen Industrie mehr und mehr durchsetzen wird.