Mitarbeiter entscheiden lassen

Welchen Entscheidungsraum braucht das Projektteam? Wie viel Verantwortung liegt dort, wie viel Richtlinien-Kompetenz liegt beim Vorgesetzten?

 

Fragen, die sich vor dem Hintergrund agiler Methoden noch mehr als vorher stellen.

Mood: Leiter im Gras
Bild: morgueFile

Für viele Teams ist die Einführung agiler Methoden eine kulturelle Herausforderung. Die Einführung ist oft beschwerlich:

  1. Das Team wird in der Durchführung der Methodik schlampig. 
  2. Die Unterstützung durch den Product Owner (PO) verläuft nicht wie erwartet.

Frust schleicht sich ein. Bei vielen Team-Teilnehmern taucht der Gedanke auf, dass der PO seine Rolle nur dazu mißbraucht, kurzfristige Änderungswünsche ins Projekt einzukippen. Eine fachliche Verantwortung für das Projekt ist nicht spürbar. An Stelle eines schlecht laufenden Wasserfall-Projekts gibt es nun ein schlecht laufendes, agiles Projekt

 

Dabei ist es genau jetzt Zeit, Fragen zu stellen und gemeinsam mit dem PO und anderen Beteiligten dem Stillstand auf den Grund zu gehen. Es gibt zwei grundsätzliche Wege:

  1. Allen Beteiligten die Wertewelt der agilen Entwicklung erläutern und für eine Änderung des Miteinanders zu werben.
  2. Die Rolle im Rahmen der agilen Methodik erläutern und die Erfüllung einfordern.

Der zweite Weg wird häufig gewählt, funktioniert aber nicht. Dieser bedient ein altes Muster: Jammern ohne zu Ändern. Eine Reduktion auf die neue Rolle motiviert nicht, warum Mitarbeiter von bekannten Pfaden abweichen sollten. 

 

Generationen von Managern wurde erläutert, dass eine kulturelle Änderung nicht durch eine einsame Ansage ("Management by Headlines") herbeizuführen ist. Verhaltensänderungen funktionieren dann, wenn man dafür wirbt; dies in ein stimmiges Konzept einbettet und den Weg vorlebt. Diese Wahrheit gilt auch bei der Einführung agiler Methoden.

 

Diese verändern die ZusammenarbeitUm eine Änderungen herbeizführen, müssen alle das WARUM verstehen. Ausgehend davon kann das Team mit dem PO und anderen Beteiligten aushandeln, wer wie viel Handlungsfreiheit und welche Aufgaben hat. 

 

Projektteams entscheiden sich häufiger, agile Methoden im Stealth Mode einzuführen. Dies funktioniert nur, wenn alle wichtigen Projektrollen in den Stealth Mode eingeweiht sind - und die kulturelle Veränderung leben möchten. Sind nicht alle Projektrollen vertreten, wird der kulturelle Konflikt, der sich im Willen nach Freiheitsgraden zeigt, im Laufe des Projekts offen ausgetragen.

 

In dieser Phase ist das Projekt in unsicherem Gebiet In unsicheren Zeiten fallen alle in bekannte, gelernte Muster zurück - wenn niemand redet. Genau in dieser Phase ist das offene Gepräch zu suchen, in dem gemeinschaftlich die Bedürfnisse (z.B. nach Planungssicherheit und Anerkennung) diskutiert werden - daraus entwickeln dann die Beteiligten einen Plan, wie weit der Grad der Freiheit reicht.

 

Dabei sind nicht einzelne Tätigkeiten zu benennen, sondern Kompetenzräume, die von den Projektrollen wahrgenommen werden. Mit Wertschätzung für das Können des Einzelnen werden Freiheiten für den Einzelnen definiert. Hier begründet sich die Verantwortung für jede Entscheidung. Hier vergrößert sich Freiheit. Wie groß diese ist, hängt von den beteiligten Personen und dem Gesamtkonstrukt, in dem sie sich befinden, ab.

 

Dieser Blog-Post ist ein privater Beitrag von Judith Andresen.


 

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