Von der Lüge der Hierarchiefreiheit

"Wir sind ein schlankes, agiles Unternehmen. Wir haben keine Hierarchien." Wirklich? 

Mood: 3 Little Man beim Planen
Bild: Alexander Stielau

Die zwölf Prinzipien des agilen Manifests beziehen sich auf Team-Arbeit - und das sinnvolle Aufnehmen von "äußeren" Anforderungen und Änderungswünschen. Das agile Manifest sieht die Team-Arbeit vorwiegend im Bereich der Technik:

The best architectures, requirements, and designs emerge from self-organizing teams. 

Heute haben Unternehmen - gerade junge - den Anspruch, agil zu sein. Mit dem Wachstum sind Entscheidungen notwendig, wie sich das Unternehmen organisatorisch aufstellt. Die selbstorganisierenden Teams des agilen Manifests werden bei der Organisationsbeschreibung gerne bemüht. Jede Organisiation sollte sich dabei fragen:

  • Wieviel Entscheidungsfreiheit liegt in den Teams?
  • Liegt die Grenze für Entscheidungen in den Teams hoch oder tief?
  • Wer teilt die Teams ein?

Werden ein Großteil der täglichen Entscheidungen in der Geschäftsführung getroffen (bzw. sichern alle Teams dort ihre "großen" Entscheidungen ab) und liegt auch die Team-Zusammenstellung vorwiegend in der Geschäftsführung, entpuppt sich dieser Überbau als klassisch-hierarchischer Kern in einem agilen Gewand.

 

"Unsere Hierarchien sind flach" heißt es in diesen Unternehmen. Stimmt, es gibt nur eine wirksame Entscheidungsinstanz: die Geschäftsführung entscheidet!  Mit dem Schlagwort "Hierarchiefreiheit" wird aber dem Mitarbeiter versprochen, er könne sich stark einbringen und viel bewegen. Entspricht diese Ansage nicht der Wirklichkeit, liegt hier ein großes Potenzial für Demotivation und Frust.

 

Jeder Einzelne wird für sich klären, ob diese Strukturen für ihn sinnhaft bzw. verständlich sind und ob er darin wirksam sein kann. Und entsprechend handeln.


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